Aufnahme vom Campus der Hochschule Mainz, Ansicht Eingangsbereich mit Fahnen, Foto: Britta Dutz-Jäger

Zur Erreichung landesersprießlicher Absichten ...

Eine Ausstellung zur Gegenwart und Geschichte
der Fachhochschule Mainz - seit 01.09.2014 Hochschule Mainz

 
von Andreas Greulich

Die Hochschule Mainz und die Akademie für Bildende Künste an der Universität Mainz begehen dieser Tage ein großes Jubiläum: 250 Jahre Ausbildung wollen gefeiert werden.
Es liegt in der komplizierten Entwicklungsgeschichte, dass sich in Mainz gleich zwei Hochschulen auf ein und dieselbe Gründung berufen.
Ein Jubiläum gibt Anlass zum Feiern und Anlass zur Positionsbestimmung. An der Hochschule Mainz soll dies nicht lediglich im Rahmen eines Festaktes geschehen.
Der Präsident der Hochschule, Prof. Dr.-Ing. Gerhard Muth, hat angeregt, darüber hinaus eine Ausstellung zum 250-jährigen Jubiläum zu realisieren.

Kurfürst Johann Friedrich Carl von Ostein, Foto: Stadtarchiv Mainz

Caligari und Napoleon

Wer hätte gedacht, dass die Hochschule, die man tagtäglich besucht, mit Napoleon, dem Cabinet des Dr. Caligari, aber auch mit der Adolf-Hitler-Bauschule zu tun hat?

Die Ausstellung erzählt die spannende und wechselvolle Geschichte dieser Institution. Geschichte ist immer dann am fesselndsten, wenn sie die Geschichten dahinter beleuchtet. Wie die der Studentenrevolte 1968 in Mainz, bei der die Polizei anstelle von Pflastersteinen wie in Frankfurt oder Berlin Blumen bekam.
Die kontextuelle Situation einer Ausstellung ist immer vom Aufeinandertreffen des Fremden – manifestiert im Exponat – mit dem Eigenen – manifestiert in der Wahrnehmung des Betrachters – geprägt.
In einer Ausstellung wird das Objekt der Betrachtung immer zu einem Gegenüber. Dies ist bei historischen Ausstellungen nicht weiter verwunderlich, da hier das zeitlich Fremde, also ein Artefakt aus der Vergangenheit, zum Exponat wird.
Aber auch die Gegenwart, also selbst das, was uns gestern noch in der Handhabung vertraut war, ist als ausgestelltes Objekt fern gerückt und erlaubt so neue Sichtweisen auf das Gegenwärtige.
Die Ausstellung zur Geschichte der Hochschule Mainz verbindet beides: Den Blick auf die Geschichte und den Blick auf das Hier und Jetzt. So wird gerade in dieser Schau, die 250 Jahre überbrücken will, Fremdes und Eigenes eng aufeinander bezogen.

Kulturhistorischer Kontext

Die Hoffnung der Ausstellungsmacher ist es, die kulturhistorischen Zusammenhänge sichtbar zu machen. Zielpublikum sind einerseits die Lehrenden und Studierenden der Fachhochschule, andererseits die Stadt Mainz als gesellschaftliches Gefüge.
Dabei sind die Zielsetzungen verschieden gelagert. Dem „hausinternen Betrachter“  wird die Kenntnis der eigenen Institutionsgeschichte vermittelt.
Aus diesem Bewusstsein der eigenen Geschichte heraus kann sich – im besten Falle – ein stärkeres Selbstbewusstsein entwickeln, mit dem sich die Hochschule Mainz den Herausforderungen der Zukunft stellen kann.
Den Mainzern wird deutlich gemacht, welchen gesellschaftlichen Mehrwert die Stadt durch ihre Schulen und insbesondere die Hochschule hat.
Mainz ist so wie es ist zu einem guten Teil durch seine Hochschulen geprägt. Natürlich lesen sich diese Überlegungen als hehre, wenn nicht gar vermessene Ziele, sie sind aber in dem Bewusstsein formuliert, dass eine Ausstellung für die Identitätsentwicklung nur ein kleiner Mosaikstein eines größeren Ganzen ist.Thematische Klammer der Ausstellung ist die Verbindung von wirtschaftlicher Notwendigkeit mit kulturellem Bedürfnis.
Sie war Motivation und Anlass zur ersten Akademiegründung 1757 und spiegelt sich auch heute in der University of Applied Sciences wider.
Dass sich die jeweiligen politischen Verhältnisse im Land prägend auf die Schulen auswirkten und immer noch auswirken, ist ebenso Thema und Grundlage der Ausstellung wie die direkten Bezüge und Verortungen von Leistungen der Hochschule und ihrer Vorgängerinstitutionen in Mainz.

Von der Gegenwart in die Vergangenheit

Der methodische Ansatz der Ausstellungskonzeption ist chronologisch, wobei der Beginn der Ausstellung in der Gegenwart angesetzt ist. Von da aus gehen die einzelnen Argumentationsstränge in die Vergangenheit zurück.

Der konzeptuelle Ansatz der Ausstellung ist durchaus didaktisch zu nennen. Aus diesem Grund muss der Ausstellungsarchitektur eine deutlich zu erkennende, aufeinander aufbauende Struktur zu Grunde liegen.
Konzeptionell gibt es einen Anfang und ein Ende der Ausstellung, räumlich gesehen folgen die Laufwege in der Ausstellung den Gedankengängen der Konzeption.

Den Ereignissen folgend, wird die Ausstellung in sieben Hauptmodulen die Entwicklung von der University of Applied Sciences zur kurfürstlichen Akademie zurück verfolgen. Diese sind:

  • University of Applied Sciences (1996 bis heute)
  • Die Erfolgsgeschichte der Fachhochschule (1971 bis 1996)
  • Die Nachkriegsjahre bis zur Studentenrevolte ´68. Rheinland-Pfalz schafft sich seine Fachhochschule
  • Der Nationalsozialismus und seine Folgen für die Mainzer Kunstgewerbeschule
  • Die Reformbewegungen des frühen 20. Jahrhunderts: Bauhausgedanken in Mainz (die 20er Jahre des 20. Jahrhunderts)
  • Die Industrialisierung und die Handwerkerschule von 1841 (Mitte 19. Jahrhundert bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts)
  • Die Kurfürstlichen Mainzer Akademien und ihr Ende durch Napoleon (1757 bis zum   beginnenden 19. Jahrhundert)

Dabei werden den einzelnen Modulen je nach Art der Faktenlage einzelne Themenbereiche zugeordnet. Diese sind:

  • politische/zeithistorische Bezüge
  • Schul- und Hochschulentwicklung in Mainz
  • studentisches Engagement
  • Projekte der Schulen für Mainz

Eine Ausstellung zu konzipieren, heißt immer, eine Auswahl zu treffen. Eine Auswahl treffen heißt immer „weg lassen“.
Gerade für das Aufarbeiten der jüngeren Geschichte der Hochschule ist das Weglassen Bürde des Kurators.
So wäre der Versuch müßig gewesen, eine Leistungsschau der Hochschule Mainz in diese Ausstellung zu integrieren. Die drei Fachbereiche mit ihren eigenständigen Institutionen, ihrem vielfältigen Engagement in Lehre, Forschung und Praxis können nicht einmal im Ansatz adäquat dargestellt werden.
So bleibt es der Ausstellung lediglich vorbehalten, die Aussichtslosigkeit dieses Ansatzes qua Exponat erlebbar zu machen.

Eines ist durch die Vorbereitungen zur Ausstellung klar geworden: Einer solch geschichtsträchtigen, der Zukunft zugewandten Hochschule wie der Mainzer Hochschule fehlt ein Hochschularchiv.
Ein Archiv, das von allen getragen wird und die kommenden 250 Jahre tätig sein wird. Es bleibt zu wünschen, dass dieses Desiderat einmal Wirklichkeit wird.

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