This content is not available or only partially available in English.
This content is not available or only partially available in English.

Preis des Hochschulrats

V.l.: Prof. Dr. Mechthild Dreyer, stellv. Vorsitzende des Hochschulrats, Yannik Braun, Olivia Nigl und Prof. Dr.-Ing. Gerhard Muth, Präsident der Hochschule Mainz. (Foto: Judith Wallerius)

Preisträgerin Olivia Nigl erhält die Urkunde aus den Händen von Prof. Dr. Mechthild Dreyer. (Foto: Judith Wallerius)

Preisträger Yannik Braun erhält die Urkunde aus den Händen von Prof. Dr. Mechthild Dreyer. (Foto: Judith Wallerius)

Preis des Hochschulrats der Hochschule Mainz verliehen

Zum zehnten Mal ist am 11. Juli der Preis des Hochschulrats der Hochschule Mainz verliehen worden, mit dem herausragende Studienleistungen ausgezeichnet werden. Der mit 2000 Euro dotierte Preis wurde in diesem Jahr geteilt und ging zu gleichen Teilen an Yannik Braun für seine Bachelorarbeit „Modellversuch zur Veranschaulichung von Bruchfiguren bei aktivem und passivem Erddruck“ (Studiengang Bauingenieurwesen, Betreuung: Prof. Dr.-Ing. Katharina Kluge) und an Olivia Nigl für ihre Bachelorarbeit „I Wonder – Ein Film über Legasthenie“ (Studiengang Kommunikationsdesign, Betreuung: Prof. Katja Davar und Prof. Olaf Hirschberg).


Praxisbezogene Versuchsapparatur

In seiner mit der Note 1,0 bewerteten Abschlussarbeit hat Yannik Braun eine Versuchsapparatur zur Veranschaulichung von Bruchfiguren im Erdreich konstruiert, die für praxisbezogene Vorführungszwecke in der Lehre verwendet werden kann.

Auf alle Bauwerke, die seitlich mit Baugrund in Berührung sind, wirkt ein Druck aus diesem Baugrund, der sog. Erddruck. Je nach Bewegungsrichtung des Bauwerks – weg vom Erdreich oder in Richtung des Erdreichs – spricht man von aktivem bzw. passivem Erddruck. Durch eine Verformung im Erdreich entsteht eine Bruchfigur im Boden, aus deren Form und Größe der auf das Bauwerk resultierende Erddruck berechnet werden kann. Da sich dieser Bruchvorgang im Erdreich, also unterhalb der Geländeoberkante, abspielt, sieht man die Bruchfigur normalerweise nicht. Bei der von Yannick Braun konstruierten Apparatur laufen die Versuche so ab, dass die Apparatur abwechselnd mit hellen und dunklen Sandschichten verfüllt wird und anschließend seitlich das Erdreich begrenzende Wände verschoben bzw. verdreht werden. Die Brüche werden im Anschluss durch die Verschiebung der unterschiedlich farbigen Sandschichten zueinander sichtbar. Derartige Figuren drehen nicht sichtbar hinter jeder Stützwand im Bereich von Geländesprüngen mehr oder weniger stark auf. Damit stellt die Versuchsapparatur einen Schnitt durch das Gelände dar und ermöglicht die Darstellung grundlegender Abläufe im Erdreich.

Ergänzt wird die Arbeit, die auch eine fundierte Erläuterung der theoretischen Grundlagen enthält, durch eine ausführliche Anleitung für die selbständige Durchführung der Versuche  sowie durch zwei Lehrvideos, die seit dem Wintersemester 2018/19 bereits im Unterricht an der Hochschule Mainz eingesetzt werden.

„Yannick Braun hat eine Arbeit verfasst, die zum einen ein wunderbares handwerkliches, in der Zukunft weiter einsetzbares Produkt enthält, zum anderen versuchstechnisch erhaltene Ergebnisse darstellt und diese mit aus der Theorie ableitbaren Ergebnissen vergleicht, was ihm äußerst interessant und gut reflektiert gelungen ist“, so Prof. Dr.-Ing. Katharina Kluge, die die Arbeit betreut hat.

Während seines Studiums hat sich Yannick Braun darüber hinaus auch in der Hochschule engagiert. Während seines Bachelorstudiums war er aktives Mitglied der Fachschaft Bau. Zuvor entwickelte er bereits als studentische Hilfskraft Übungsaufgaben und einen Leitfaden, die den Studierenden den Umgang mit geotechnischer Berechnungssoftware näherbrachten.

 

Engagement für Legastheniker

Olivia Nigls Film "I Wonder" spricht ein Thema an, von dem ca. 10 Prozent  der Weltbevolkerung betroffen sind. Der 17-minutige Kurzfilm handelt von einer begabten jungen Frau, die aufgrund ihrer Lese- und Rechtschreibstörung (LRS) in der schulischen Laufbahn, aber auch fortlaufend immer wieder mit ihrer Schwäche konfrontiert wird, es aber durch ihre Offenheit schafft, mit sich selbst und der Situation umzugehen.

„Legasthenie ist eine schwerwiegende Störung beim Erlernen des Lesens und/oder der Rechtschreibung, die in Besonderheiten von Hirnfunktionen begründet ist. Aber so simpel lässt sich diese Beeintrachtigung nicht beschreiben“, erläutert Olivia Nigl ihren Film. „Legasthenie ist vielschichtig, tiefgreifend, und die Reaktion der Psyche auf diese Beeintrachtigung darf nicht unterschatzt werden. Die gesellschaftliche Wahrnehmung der LRS hat sich zwar über die Zeit gewandelt, aber dennoch spiegelt sie nicht den Stand der Forschung zu diesem Zeitpunkt wider. Genauso ist es ein Problem, dass Schulen nicht angemessen reagieren oder, aufgrund mangelnden Personals und Expertise, nicht reagieren können. Um eine Veränderung anzuregen, muss das Problem der LRS als solches zunächst stärker wahrgenommen werden. Der Film „I Wonder“ greift die emotionale Seite der  Teilleistungsstörung auf und schafft es durch eine starke Hauptfigur, nicht nur einen persönlichen Bezug zum Thema herzustellen, sondern auch Aufmerksamkeit für diese Thematik zu generieren, um auf mehr Akzeptanz und Verständnis in der Gesellschaft hoffen zu können.“

Bei der Stoffentwicklung für das Drehbuch hat die junge Regisseurin viele Gespräche  mit Betroffenen, Therapeuten und Ansprechpartnern geführt. In einem weiteren Schritt wurde in den sozialen Netzwerken dazu aufgerufen, Erfahrungen mit LRS zu teilen. Ein wichtiges Merkmal des Films ist es, dass aus dem echten Leben gegriffene Geschichten von Legasthenikern wiedergegeben werden.

Das Projekt wurde mit Unterstützung des Bundesverbandes fur Legasthenie und Dyskalkulie (BVL) an acht Drehtagen realisiert. Der Film wurde von Spektrumfilm coproduziert und zusätzlich mit den Geldern der Film + Medien Nachwuchsförderung Rheinland-Pfalz gefördert. Im Anschluss wurde er über den BVL veröffentlicht, der über ein großes Netzwerk verfügt. „Ich hoffe, dass mein Film dadurch ein breites Publikum erreichen kann“, so die Preisträgerin, die sich während ihrer Studienzeit für die Öffentlichkeitsarbeit des AStA eingesetzt hat. „Ich denke, es gibt viel zu sagen und viel zu tun, denn Betroffene müssen sich engagieren, damit eine Veränderung geschehen kann.“

Den Preis hatte der Hochschulrat 2009 gestiftet. Prof. Dr. Gerhard Muth, Präsident der Hochschule Mainz, betonte bei der Verleihung: „Der Preis ist eine besondere Auszeichnung für die Studierenden und Absolventen. Denn unsere Hochschule honoriert damit nicht nur herausragende Studienleistungen, sondern auch das allgemeine soziale und hochschulpolitische Engagement der Preisträgerinnen und Preisträger. Wir freuen uns, mit der diesjährigen Auszeichnung wieder zwei wegweisende Arbeiten würdigen zu können,die jede auf ihre Weise ein großes Potenzial in sich tragen.“