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„Van Gogh TV“ und „Piazza Virtuale“

Radio-Beitrag in SWR 2

Van Gogh TV, ein Kollektiv von Hackerinnen und Hackern, Künstlerinnen und Künstlern, die Anfang der 1990er Jahre zukunftsweisende Online-Kommunikationsprojekte entwickelt haben, steht im Zentrum eines Forschungsprojekts der Hochschule Mainz, über das der SWR in einem Radio-Beitrag berichtet. 

Mit Projekten wie „Piazza Virtuale“, präsentiert während der documenta 1992, hat Van Gogh TV Vorläufer der Sozialen Medien der Gegenwart wie Facebook oder Twitter geschaffen. Mit Hilfe der medialen Mittel, die Van Gogh TV kurz vor dem Aufkommen des Internets zur Verfügung standen, entwickelte die Gruppe eine kollaborative Medienpraxis, ein “many-to-many”-Netzwerk, das eine Alternative zum traditionellen Modell der Massenmedien darstellen sollte. Zu dieser Medienpraxis gehörten Fernsehsendungen, die während der documenta jede Nacht über Sender in Deutschland, Österreich und Japan ausgestrahlt wurden.

Das Forschungsprojekt zur Erschließung des Nachlasses der Medienkunstgruppe Van Gogh TV wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert. Die Projektleitung liegt bei Prof. Dr. Tilman Baumgärtel (Institut für Mediengestaltung der Hochschule Mainz), Kooperationspartner ist Prof. Dr. Jens Schröter, Medienwissenschaftler an der Universität Bonn.

Ausstellung, Film und Website 

Das Forschungsprojekt wird sich seinem Gegenstand auf vier verschiedene Weisen nähern. Zunächst soll der Nachlass der Medienkunstgruppe dauerhaft gesichert werden. Mehr als 2000 Stunden analoger Videomitschnitte, Akten, digitale Dateien und E-Mails sollen für die langfristige Aufbewahrung im documenta-Archiv in Kassel vorbereitet werden, in dem sie auch anderen Forschern zugänglich sind.

Um eine “Oral History” des Projekts zu erstellen, die das Archivmaterial kontextualisiert und später in Buchform erscheinen wird, sollen zudem die mehr als 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Van Gogh TV interviewt werden. Das gesammelte Material soll die Basis für eine medienwissenschaftliche Monographie über die Arbeit der Gruppe und die Entstehung neuer Medientypen bilden – denn das Werk von Van Gogh TV ist ein idealer Ausgangspunkt, um zu analysieren, wie technologischer Fortschritt unter anderem in der Kunst vorweggenommen wird, bevor er sich durchsetzt. 

Neben den wissenschaftlichen Publikationen soll das erhobene Material auch Grundlage einer Ausstellung, einer Filmdokumentation und einer Website bilden, die die Rechercheergebnisse in multimedialer Form auch einer nicht-akademischen Öffentlichkeit zugänglich machen. 

Radio-Beitrag in SWR2

zur Website Van Gogh TV