Bachelorarbeit Hannah Berndhäuser

KONZEPT

Um dem Rheinland-Pfalz Gast in Zukunft den Erbeskopf als Erholungsgebiet für aktive ganzjährige Freizeitgestaltung näher zu bringen, ist ein Konzept entstanden, welches sowohl auf die Bedürfnisse des Gastes, als auch auf einen nachhaltigen Umgang mit der Natur eingeht. Der Standort des beplanten Gebiets befindet sich im oberen Drittel des Hangs, parallel zur Skipiste und gleichzeitig als Fortführung der vorhandenen Grünstruktur. Die bewusste Platzierung zwischen Piste und Lift auf dem Hang verhindert weitere Einschnitte in die umliegenden Waldgebiete Der Wanderweg, welcher das Gebäude quert, holt den Besucher oder Wanderer ab und lädt durch das zurückgesetzte Erdgeschoss, dessen tragender Kern von einer Glasfassade umhüllt wird, ein. Als Ergänzung der Umweltbildungsstätte des Hunsrückhauses und im Bezug zum angrenzenden Nationalpark Hunsrück-Hochwald, dient die Fläche im Erdgeschoss nicht nur als Verkehrs-und Erschießungszone, sondern kann flexibel als Ausstellungsfläche o.ä. genutzt werden. Die vorgesehene Nutzung des Erdgeschosses führt zu einer klaren Trennung zwischen den privaten Zimmereinheiten in den oberen Geschossen und den unteren, öffentlichen Bereichen. Der Effekt dadurch ist, dass die oberen Geschosse sich vom Erdreich abheben und größtmögliche Privatheit gewähren. Die unteren Geschosse nutzen die Topographie und graben sich mit über 50% derBaumasse der öffentlichen Bereiche ins Erdreich ein. Somit fügt sich der Stahlbetonteil, trotz seiner Kompaktheit, gut in die Umgebung ein.

MATERIALITAT

Das Materialkonzept besticht durch seine Einfachheit und Klarheit Durch die Verwendung von Sichtbeton und Holz wird die Differenzie­rung der verschiedenen Nutzungsbereiche verdeutlicht. Die drei unteren Geschosse, sowie die zwei Erschließungskerne sind aus Sichtbeton gefertigt und vermitteln durch seinen monolithischen Charakter Standfestigkeit. Alle Oberflächen sind glatt geschalt und weisen keine direkt sichtbaren Ankerlöcher auf. Diese werden verfüllt und verspachtelt, so dass eine homogene Sichtfläche entsteht. Auch die außenliegenden Fenster betonen die Homogenität. Die Sichtbetonoberflächen spiegeln sich auch im Inneren des Gebäudes wieder. Im Kontrast zum kühl wir­kenden Beton werden die außenliegenden Fenster durch Holz gefasst und bieten so Sitzmöglichkeiten mit Ausblick in die Natur. Des Weiteren sind einzelne Elemente, wie Innentüren und einige Einbaumöbel, aus diesem natürlichen Baustoff hergestellt. Die 48 Zimmereinheiten sind in Holzsystembauweise errichtet. Diese werden von einem auf den zwei Betonkernen liegendem Stahlträgerrost getragen. Die modular vorgefertigten Zimmereinheiten aus Brettsperrholz werden schlüsselfertige geliefert und verkürzen somit erheblich die Bauzeit. Da die tragenden Brettsperrholzelemente gleichzeitig Sichtqualität bieten, wird durch die Modulbauweise eine hohe präzise Ausführung gewährleistet. Die massiven Holzoberflächen sorgen für ein behagliches Klima, sodass der Gast größtmögliche Erholung erlebt. Die Fassade der drei oberen Ge­schosse bilden Dreischichtplatten aus Lärchenholz, die durch die vorgesetzten Leisten Lebendigkeit vermitteln und gleichzeitig die belichteten Nasszellen der Zimmer, durch weiterführen der Leisten, abgrenzen.

NACHHALTIGKEIT

Die kompakte Gebäudekubatur legt den Grundstein für ein energetisch nachhaltiges Gebäudekonzept. Insgesamt minimiert die kompakte, weitgehend ins Erdreich verlagerte Baumasse den Transmissionswärmeverlust der Hülle und reduziert somit die Heizlast. Ein hochwertiger mineralischer Wärmedämmstoff sorgt für eine optimale Isolierung des Gebäudes. Des Weiteren tragen die dreifach isolierten Fenster dazu bei, den Wärmeverlust zu verringern. Durch die Modulbauweise ist das Bauen mit Holz nicht nur klimafreundlich und nachhaltig, sondern auch wirtschaftlich und effizient. Das extensiv begrünte Dach des Hunsrück­höhenhauses setzt das Konzept der Nachhaltigkeit konsequent fort und schützt das Dach vor Temperaturschwankungen, Versprödung und Riss­bildung. Außerdem lässt sich die extensive Begrünung bestens mit einer Regennutzungsanlageverknüpfen und stellt somit eine preiswerte Kombination dar, um beispielsweise die Toilettenspülung zu betreiben. Der dafür benötige Regenwasserspeicher lässt sich problemlos im Keller integrieren. Aus ökologischer Sicht erhält man dadurch einen natürlichen Wasserkreislauf und schont die Trinkwasservorräte um ca. 35 Prozent. Da das bebaute Gebiet unterhalb und in unmittelbarer Sichtweite des Aussichtsplateaus „Windklag“ liegt erhöht das begrünte Dach außerdem die ästhetische Qualität. Das Überhitzen der gemeinschaftlichen Bereiche wird durch die Ausrichtung des Gebäudes und der Orientierung der Glasflächen verhindert. weitere Maßnahmen gegen Überhitzung sind daher nicht notwendig. Ein weiterer wichtiger Bestandteil des energetischen Konzeptes ist zudem die Installation einer Pelletheizung, um die Verwendung nachwachsender Rohstoffe und die CO²-neutrale Verbrennung zu fördern. Durch kurze Transportwege von der Rohstoffernte aus umliegenden Schreinereien und Forstbetrieben, sowie dem deutlich geringeren Energieaufwand bei der Herstellung, stellt dies eine optimale Lösung für das Heizen des Gebäudes dar. Der Haustechnikbereich bietet ausreichend Platz für die Lagerung der Pellets. Die genannten energetischen Aspekte stellen eine nachhaltige und standortbe20gene Lösung für diesen Entwurf dar und sorgen für angenehme Rahmenbedingungen für den Besucher.

Eckdaten

Auftragssteller:
Prof. Dr. Niederwöhrmeier - Bachelorthesis 670_plus

Modul:
Bachelorthesis Sommersemester 2017

Aufgabe:
Hunsrückhöhenherberge auf dem Erbeskopf

Studentin:
Hannah Berndhäuser

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