Hongkong - Die Welt in einer Stadt

“... a fine way to capture a piece of the magic of a unique city. The drama, the charm and the beauty of Hong Kong is all here – just as is its breathless energy.”

Nury Vittachi, Hong Kong: The City of Dreams

 

Hongkong ist in der Tat eine einzigartige Stadt und lässt sich nur schwer mit wenigen Worten beschreiben – Ein bedeutendes Wirtschaftszentrum zwischen Tradition und Moderne, historischen Denkmälern und prachtvollen Hochhäusern, altertümlichen Tempeln und einem impulsiven Nachtleben.

Im März 2018 startete die Exkursion des Masterstudiengangs Management VZ begleitet von Prof. Dr. Britta Rathje und Prof. Dr. Bernhard Ostheimer nach Hongkong.

Nachdem China den Opiumkrieg verloren hatte, wurde Hongkong 1841 durch das Vereinigte Königreich besetzt. Nach einer Einigung zwischen China und Großbritannien gilt Hongkong seit 1997 offiziell als Sonderverwaltungszone Chinas. Das verfassungsmäßige Prinzip „one country, two systems” erlaubt Hongkong einen gewissen Grad an Autonomie, insbesondere um so ein marktwirtschaftliches, anstatt wie in China ein planwirtschaftliches Wirtschaftssystem auszuüben. Die Außen- und Sicherheitspolitik obliegt hingegen der Volksrepublik China.

Hongkong gliedert sich in drei Teile: Hongkong Island, Kowloon und die New Territories. Etwa 7,2 Millionen Menschen leben hier auf engstem Raum. Mit knapp 1.100 Quadratkilometern ist die Fläche Hongkongs nur 1,2 mal so groß wie Berlin; Mallorca ist dreimal so groß wie der Stadtstaat! Die Gebirge verhindern die Erschließung neuen Wohnraums, weshalb hauptsächlich Hochhäuser das Stadtbild prägen. Außerdem behelfen sich die Hongkong-Chinesen mit dem Aufschütten von Land an der Küste. Beispielsweise wurde der neue Flughafen Hongkongs auf einer komplett künstlich geschaffenen Insel erbaut. Neben dem Flughafen ist auch der Seehafen, der mit Singapur einer der umschlagsstärksten Häfen der Welt ist, immens wichtig und gilt als Tor zur Welt. Neben dem großen Warenumschlag dominieren auch die vielen ansässigen Banken Hongkongs Wirtschaft.

Den wohl größten Wermutstropfen stellt der Wohnungsmarkt in Hongkong dar. Der Wohnraum ist aufgrund des Platzmangels knapp und extrem teuer, Hongkong gilt als die teuerste Stadt der Welt. So müssen teilweise sogar arbeitende Einwohner in kleinsten Behausungen leben. Das bischöfliche Hilfswerk MISEREOR beziffert die Zahl der sogenannten „Cage People“ auf über 100.000.[1] Die Menschen müssen in kleinen Käfigen hausen, in welchen lediglich eine Matratze und wenige Habseligkeiten Platz finden. Und auch wer eine Wohnung besitzt, so erzählten uns viele Bewohner Hongkongs während der Exkursion, verbringt am liebsten seine Zeit außerhalb der Mini-Apartments und lässt sich nach Feierabend lieber von der impulsiven Stadt mitreißen.

Übrigens – und so absurd es aufgrund des Wohnraummangels auch klingen mag: Die teuerste Wohnung Asiens liegt in Hongkong und wechselte 2015 für umgerechnet knapp 70 Millionen Euro den Besitzer, welcher nun auf 532 Quadratmetern residieren und den Blick auf den Victoria Hafen genießen kann.

Während unserer Exkursionswoche besuchten wir Unternehmen aus unterschiedlichsten Branchen. Auf unserem Plan standen folgende Unternehmen und Institutionen:

Mercedes-Benz: Die Woche startete mit einem Besuch bei Mercedes-Benz, bei dem wir einiges über den Automobilmarkt in Hongkong und Macau lernten. Bei einem anschließenden gemeinsamen Mittagessen mit internationalen Praktikanten und lokalen Mercedes-Benz Mitarbeitern probierten wir eine Vielzahl an chinesischen Spezialitäten.

Hong Kong General Chamber of Commerce: Bei diesem interessanten Termin erfuhren wir mehr über die wirtschaftliche und politische Situation von Hongkong und diskutierten über die künftige Entwicklung von China und Hongkong sowie das Aufblühen der neuen Seidenstraße. Zugrunde liegen massive Investitionen, um den Handel zwischen Asien und Europa zu verbessern und zugleich den politischen Einfluss Chinas in Zentralasien zu stärken.

Tagestrip nach Shenzhen: Wir überquerten die Grenze nach China, um in Shenzhen den größten Elektronikmarkt der Welt zu besuchen. Im Anschluss hörten wir einen Vortrag zu Innovationen im Bereich IT.

Robert Bosch: Das internationale Unternehmen mit schwäbischen Wurzeln präsentierte uns seine Geschäftsfelder. In einem anschließenden persönlichen Austausch mit Mitarbeitern und dem Manager bekamen wir weitere spannende Einblicke über das Arbeiten bei Bosch und das Leben in Hongkong.

Außenhandelskammer Hongkong: Die AHK Hongkong vertritt die deutschen Wirtschaftsinteressen und fördert die Handelsbeziehung von Deutschland und Hongkong. Thematisiert wurden auch die Spannungen zwischen Hongkong und China, welche aufgrund der weltwirtschaftlichen Position Hongkongs im Zaum gehalten werden. Ein Gespräch, das laut des Redners in der Volksrepublik China „so nicht hätte stattfinden können“.

Goethe Institut: Das Goethe Institut vertritt die deutsche Kultur in Hongkong und gibt Sprachkurse. In einem spannenden Vortrag lernten wir die verschiedenen Aktivitäten des Goethe Instituts in Hongkong kennen.

Bayer Health Care: Der Pharmakonzern Bayer präsentierte die einzelnen Unternehmensbereiche. Wir erfuhren mehr über die Arbeitskultur in Hongkong.

City University: Die City University Hong Kong ist eine der Top Universitäten in Asien. Wir bekamen Einblicke in das Bildungssystem und erfuhren, dass bereits die Wahl des Kindergartens entscheidend für die berufliche Zukunft sein kann.

UPS: Das Logistikunternehmen stellte uns seine Unternehmenskultur vor und gab uns Einblicke in die Logistikbranche von Hongkong.

Neben diesen interessanten Unternehmensbesuchen lernten wir auch die kulturelle Vielfalt Hongkongs kennen. Hongkong ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Es war eine spannende Exkursionswoche mit vielen verschiedenen Eindrücken.

Hongkong ist ein Sinnbild der Globalisierung und hält trotz der Schnelllebigkeit an seinen traditionellen Wurzeln fest. Trotz des westlich anmutenden Äußeren der Stadt leben hier traditionelle chinesische Medizin, Tierkreiszeichen und Zahlenphilosophien weiter. So werden gern mal Millionen von Dollar für die richtige Zahlenkombination auf dem Nummernschild des Autos gezahlt – wenn man es sich denn leisten kann.


[1] MISEREOR Beitrag unter: www.misereor.de/mitmachen/ausstellungen/cage-people/ (Abruf am 20.05.2018)

Autoren

Aline Baßler, Alexandra Dünnes (Master Management)