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Vordenken im Bereich Digitale Bauwirtschaft

 

Studierende des Fachbereichs Wirtschaft und des Fachbereichs Technik entwickeln im WS 2017/18 prototypische Lösungen zur Zukunft der digitalen Bau- und Immobilienwirtschaft in einem interdisziplinären Lehrprojekt

Die Digitalisierung verschiedenster Wirtschaftsbereiche und Geschäftsmodelle ist ein viel diskutiertes Thema. Auch die Bauwirtschaft und das Immobilienmanagement müssen sich neu ausrichten und sich schon heute künftigen Fragen rund um eine Industrie 4.0 stellen. In einer erstmaligen Zusammenarbeit der Fachbereiche Technik und Wirtschaft haben Studierende der Hochschule Mainz gemeinsam spannende Konzepte und Ideen für eine digitalisierte Arbeitswelt in der Bau- und Immobilienwirtschaft entwickelt.

Die betreuenden Dozenten, Prof. Dr.-Ing. Ulrich Bogenstätter (FB Technik) Prof. Dr. Sven Pagel (FB Wirtschaft) und der Lehrbeauftragte Christian Hess (FB Technik), haben das Augenmerk der Studierenden auf derartige Fragestellungen gelenkt. Unter dem Titel „Prototypischer Einsatz von BIM in der regionalen mittelständischen Bauwirtschaft und im Baustoffhandel“ sollten die angehenden Bachelor-Absolventen das Potenzial einer digitalen Bauwirtschaft ergründen und in Projekten umsetzen. Mögliche Lösungsansätze zur Projektlösung konnten die Erarbeitung einer Prozesskette oder eines Datenflusses sowie Anwendungsmöglichkeiten innovativer Technologien (Software, Augmented Reality, Katalogdatensysteme o.a.) aus dem Bereich E-Business sein.

Die Teams mit jeweils einem Studierenden des Studiengangs „Bau- und Immobilienmanagement/Facilities“ (FB Technik) des Studiengangs „Medien, IT & Management“ (FB Wirtschaft) erarbeiteten dabei vielversprechende Konzepte. Der Schwerpunkt dieser Konzepte lag rund um die Themen BIM (Building Information Modelling – eine digitale Lösung mit Informationen zu Planung, Entwurf, Konstruktion und Verwaltung von Gebäuden) in Kombination mit Fragestellungen aus dem E-Business. Beispielsweise zeigte die Lösung der Studierenden Sema Cakmak und Julian Kling ein Konzept zur virtuellen Raumgestaltung und Visualisierung von Möbeln in Räumen.

 

Lehre und Forschung in der Holzstraße und auf dem Campus

Das sechswöchige Pilotprojekt fand sowohl am Campus, wie auch in den Vorlesungsräumen in der Holzstraße statt. Somit lernten die Studierenden nicht nur den jeweils anderen Fachbereich, sondern auch die verschiedenen Räumlichkeiten und Labore der Hochschule Mainz besser kennen.

Zuerst durften die Studierenden des Fachbereichs Wirtschaft die Räumlichkeiten in der Holzstraße kennenlernen. In einem ersten gemeinsamen Termin stellte sich der Fachbereich Technik und der Studiengang Immobilienmanagement/Facilities vor. Prof. Dr. Ulrich Bogenstätter begrüßte die Studenten und gab einen informativen Einblick in die Welt des Building Information Modelling. Für die MIM-Studenten (Medien, IT & Management) war dies eine absolut neue Erfahrung und eine lehrreiche Einführung in ein fremdes Thema. Zusätzlich wurden bereits beim ersten Termin Anknüpfungspunkte zum eigenen Studiengang erkannt. Erste Ideen zu einer möglichen Projektarbeit entwickelten sich bereits.

In einem weiteren Termin am Standort in der Holzstraße bekamen die Studierenden Einblicke in die Arbeit mit der CAD Software „AutoCAD“. In Zweier-Teams wurden die Studenten ohne Vorkenntnisse in der Software von den bereits erfahrenen Nutzern unterstützt. So stand nicht nur der Wissenstransfer von Dozent zu Student im Mittelpunkt, sondern auch die Interaktion und Weitergabe von Information zwischen den Studierenden. Es bildeten sich bereits Teams unter den zuvor noch unbekannten Projektteilnehmern.

Die folgenden Schwerpunktthemen des Projektes wurden am Standort „Campus“ durchgeführt. Prof. Dr. Sven Pagel führte die Studenten des Fachbereichs Technik in den Bereich E-Business ein. In einer interessanten Veranstaltung bekamen die Studenten einen Einblick in die IT-Systeme des E-Business. Dabei wurde auch das Shopsystem Magento vorgestellt. Die Veranschaulichung einer Prozessmodellierung war für die Studenten des Fachbereichs Technik ein spannendes und neues Thema zugleich. Letztlich gelang es somit die thematische Brücke zwischen den Fachbereichen zu schlagen und möglichen Ansätze für die Erarbeitung der Projekte zu verdeutlich.

 

Kreative Lösungen

Die Studierenden Michelle Stütz und Andre Thies präsentierten eine kreative Lösung die den BIM-Planungsprozess um ein Web-Portal, welches die Einbindung des Online-Handels realisiert, ergänzt. Durch die Anbindung Hersteller-neutraler Produktkataloge garantieren die Studenten eine Präsentation vielfältiger Produkte. Diese Produkte können direkt aus den einzelnen BIM-Phasen heraus bestellt werden. So wird beispielhaft ein im BIM-Planungsprozess integriertes Fenster digitalisiert und in einer Datenbank gespeichert. Diese Datenbank enthält eine Vielzahl, von den Maßen her passender, aber differenzierter Fenster. Diese können durch die Anbindung eines Magento-Webshops direkt online bestellt werden. Durch die Einteilung in Bauphasen über die Multistore-Funktion von Magento können Händler somit verschiedene Produkte für verschiedene Bauabschnitte anbieten.

Sema Cakmak und Julian Kling entwickelten eine mögliche Lösung mit dem Einsatz modernster Technologien. Dabei bedienten sich die Studierenden neuester VR-Technik (Virtuelle Realität). Das Projekt „Virtuelle Raumgestaltung“ ermöglich den zukünftigen Bauherren ein virtuelles Begehen des zukünftigen Hauses. Die Studierenden planten zusätzlich eine Verbindung eines CAD-Systems (z.B. AutoCAD) mit der virtuellen Realität. Somit haben Kunden die Möglichkeit mehrere Ansichten innerhalb der Immobilie in den verschiedenen Bauphasen zu sehen. Die ermöglicht den virtuellen Rundgang durch den Rohbau bis hin zum voll ausgestatteten Eigenheim.

 

Kompetenzen voll ausgenutzt

Nach der Vorstellung der Projekte durch die Studierenden wurde deutlich, dass die verschiedenen Kompetenzfelder der Studiengänge besonders gut zum Tragen kamen. Die Studierenden des Fachbereichs Technik (im Form eines Vollzeitstudiums) brachten ihre Kenntnisse rund um BIM und die Bau- und Immobilienwirtschaft ein. Dabei wurde dies durch die Teilzeit-Studierenden des dualen Studiengangs Medien, IT & Management mit digitalen Kenntnissen ergänzt. Der duale Studiengang bietet ein ausbildungs- oder berufsintegriertes Teilzeit-Studium.

Die drei Kompetenzfelder des Studienganges kamen dabei voll zum Tragen. Die Ansätze zu digitalen Lösungen mussten technisch durchdacht (IT) und ansprechend präsentiert (Mediengestaltung) werden. Dabei haben die Studierenden nie ein mögliches Geschäftsmodell (Management) und die Umsetzung der Projekte aus den Augen verloren.

Die Professoren zeigten sich sehr zufrieden mit der interdisziplinären Arbeit der Studierenden. In der Zukunft werden vergleichbare interdisziplinäre Lehrmethoden immer wieder ein Element der beiden Studiengänge „Bau- und Immobilienmanagement/Facilities“ und „Medien, IT & Management“ sein.

Eckdaten

Text
Ulrich Bogenstätter, Sven Pagel, Jens Friederich

Fotos
Christian Hess