Japan - Konnichiwa Hochschule Mainz!

Japan, ein Land mit vielen Geschichten. Die Hauptgeschichte führt 29 Master IT Management Studierende in die Millionenstadt Tokio. Das Leben in Tokio ist von Gegensätzen geprägt: schrill, bunt und hektisch geht es auf den Straßen und insbesondere im Nachtleben meistens zu. Umso auffälliger wird der Kontrast, wenn man zwischen hunderte Meter hohen Wolkenkratzern, zahlreiche Tempel und Gartenanlagen, die wie Oasen der Ruhe in dieser 39-Millionen-Metropole erscheinen, erblickt. Die Japaner - natürlich abhängig von Alter, Geschlecht, Bildungsgrad und vielen weiteren Faktoren – scheinen oft hin- und hergerissen zu sein zwischen diesen Gegensätzen. Zum einen wird man mit der Ankunft in Japan direkt hineingerissen in ein Land in der Sauberkeit, Ordnung, Freundlichkeit und Tradition nicht nur oberflächlich gezeigt werden, sondern auch in Kultur und im Wesen der Japaner widerspiegeln. Zum anderen brechen die Japaner immer wieder aus diesem Muster aus, laufen verkleidet als Comic- oder Mangahelden durch die Straßen oder streicheln in Themencafés Katzen, Kaninchen, Eulen oder Igel.

Insgesamt entsteht für uns der Eindruck einer Stadt, die seinen Bewohnern im Privaten, aber auch im Beruflichen alles abverlangt. Dies wird durch die vielen schlafenden Pendler in Zügen oder auf Parkbänken wiedergegeben und wirkt auf uns noch gewöhnungsbedürftig; spiegelt jedoch den oft sehr langen Arbeitsalltag der Japaner wider.

So erfahren wir in einigen unserer Unternehmensbesuche auch aus erster Hand, dass es in Japan zum guten Ton gehört, in einem Meeting auch mal die Augen zu schließen. Das wird dann unter „Der muss ordentlich gearbeitet haben“ verbucht. Auch andere (arbeits-)kulturelle Besonderheiten wurden uns bei den zahlreichen Besuchen von Unternehmen und Organisationen (Deutsche Botschaft, Bayer, Accenture Innovation Lab, Tokyo Börse, Goethe-Institut, BASF, Fujitsu, Bosch) in Tokio vermittelt. So werden beispielsweise Berufsanfänger nach dem Studium in Japan generell nur zum 1. April eines Jahres angestellt.

Ist man einmal - vorzugsweise in einem großen japanischen Unternehmen - angestellt, wird oft viel von den Neulingen erwartet: gemessen an europäischen Verhältnissen ist das Arbeitspensum in Japan außerordentlich hoch. Obendrauf auf die ohnehin schon ausgedehnte Arbeitszeit kommt ein Ritual, das ein gelegentliches deutsches „Feierabendbierchen“ weit in den Schatten stellt. Japaner umschreiben ihre sehr regelmäßigen nachfeierabendlichen Trinkgelage mit „Nomunication“, das sich aus dem Begriffen „nomu“ (japanisch: trinken) sowie dem englischen „Communication“ zusammensetzt und tatsächlich der innerbetrieblichen Kommunikation dient.

Doch nicht nur arbeitskulturelle Fragen, sondern auch die speziellen Anforderungen des japanischen Marktes und die Bedürfnisse der japanischen Kunden waren Thema der meist sehr kurzweiligen Vorträge und Diskussionen. So werden beispielsweise in den Unternehmen besondere Vorkehrungen getroffen, um im Falle von Erdbeben oder Taifunen weiter arbeitsfähig zu sein, was sich unter georedundanten Lagerkonzepten oder erdbebensicheren Rechenzentren widerspiegelt.

Auch konnten wir lernen, dass verbraucherfreundliche Verpackung von Produkten – also Verpackungen, die leicht zu öffnen sind – in Japan quasi obligatorisch sind. Solche Kunden- und Serviceorientierung konnten wir auch selbst tagtäglich in den Restaurants und Cafés Tokios spüren: gibt es in Deutschland oft eine hohe Diskrepanz zwischen den beworbenen Lebensmitteln – egal ob Burger, Eiscafé oder Salat – und wie diese in der Realität aussehen, kann man sich in Japan in den allermeisten Fällen sicher sein, auch genau das zu bekommen, was auf Fotos oder in Kunststoffnachbildungen von Speisen, versprochen wurde.

Durch die Vorträge bei Unternehmen und Institutionen um viele Erkenntnisse reicher, konnten wir auch abseits des Rahmenprogramms unseren kulinarischen und kulturellen Horizont erweitern. Sei es das gepflegte Feierabendbier mit anschließender musikalischer Gesangseinlage des gesamten Kurses in der Karaokebar, Touren durch das nächtliche Tokio oder das zahlreichen Abendessen in traditionellen oder auch weniger traditionellen japanischen Restaurants.

Zu guter Letzt ist noch eins zu sagen: Arigatou gozaimasu, an alle Beteiligten, die diese Exkursion mit Leben gefüllt haben!

Autoren

Christian Staab, Jeyamathy Vinayagamoorthy (IT Management berufsintegrierend M.Sc.)