Mit ihrer Keynote beim Sommerabend der Außenwirtschaft 2026 gab Prof. Dr. Claudia Hensel von der Hochschule Mainz wichtige Impulse für die rheinland-pfälzische Exportwirtschaft. Unter dem Titel „Africa is not a country – Navigationshilfe für den Exportmarkt der Zukunft“ lenkte sie den Blick auf einen Kontinent, der für deutsche Unternehmen zunehmend an strategischer Bedeutung gewinnt – und zugleich differenziert betrachtet werden muss.
Im Mittelpunkt ihres Vortrags stand die zentrale Botschaft, dass Afrika kein einheitlicher Markt ist. Die 54 Staaten des Kontinents unterscheiden sich erheblich hinsichtlich wirtschaftlicher Entwicklung, Infrastruktur, Regulierung, Kaufkraft und Marktpotenzial. Erfolgreiches Engagement erfordert daher mehr als klassische Exporterfahrung: Gefragt sind Marktkenntnis, kulturelle Kompetenz und die Bereitschaft, Chancen frühzeitig zu erkennen.
Prof. Dr. Hensel zeigte auf, warum Afrika gerade jetzt stärker in den Fokus von Unternehmen rücken sollte. Während viele europäische Märkte durch demografische Veränderungen und geringes Wachstum geprägt sind, entwickelt sich Afrika in zahlreichen Regionen dynamisch. Eine junge Bevölkerung, wachsende Mittelschichten, innovative Unternehmerinnen und Unternehmer sowie zunehmende regionale Integration schaffen attraktive Perspektiven für langfristig orientierte Unternehmen.
Besonders praxisnah wurde der Vortrag durch die Einordnung unterschiedlicher Marktcluster auf dem afrikanischen Kontinent. Große konsumorientierte Kernmärkte wie Nigeria, Südafrika, Ägypten, Marokko oder Kenia unterscheiden sich deutlich von rohstofforientierten Volkswirtschaften, Reformmärkten, Logistikstandorten oder fragilen Märkten. Diese Differenzierung ermöglicht Unternehmen eine gezieltere Bewertung von Chancen und Risiken.
Aus dieser Analyse leitete Prof. Dr. Hensel konkrete Potenziale für deutsche Unternehmen ab. Besonders aussichtsreiche Branchen sieht sie unter anderem im Maschinen- und Anlagenbau, in der Umwelttechnik, bei erneuerbaren Energien, Energieeffizienzlösungen, Medizintechnik, AgriTech, der Chemie- und Kunststoffindustrie sowie im Bereich Spezialfahrzeuge.
Der Vortrag verdeutlichte eindrucksvoll, welchen Beitrag wissenschaftlich fundierte Analysen für unternehmerische Entscheidungen leisten können. Afrika erschien dabei nicht als Empfänger von Unterstützung, sondern als dynamische Partnerregion mit eigener Innovationskraft, eigenem Wachstum und vielfältigen Marktchancen.
Der prägnante Schlusssatz von Prof. Dr. Hensel brachte die zentrale Botschaft des Abends auf den Punkt:
„Afrika braucht keine Hilfe, Afrika braucht Partner.“