Deutschland steht vor einem erheblichen Wohnungsmangel: Mehr als 600.000 Wohnungen fehlen, während der Flächenverbrauch bis 2030 auf unter 30 Hektar pro Tag sinken soll. Eine zentrale Antwort darauf ist die Innenentwicklung – die Weiterentwicklung bereits bestehender Siedlungsstrukturen.
Doch was passiert eigentlich in den Wohnquartieren? Welche Gebäude werden frei, wer zieht zu und wie verändern sich die Quartiere über die Jahre? Für diese Fragen fehlen vielerorts belastbare empirische Daten. Insbesondere die Nachkriegsbestände stehen vor einem tiefgreifenden demografischen Wandel: In manchen Quartieren wird ein erheblicher Teil der Wohnungen ausschließlich von Menschen über 65 Jahren bewohnt.
Datensilos überwinden
Mit der Frage, wie solche Veränderungen besser erfasst werden können, beschäftigte sich die European Academy of Land Use and Development (EALD), die vom 3. bis 5. September in Ljubljana zum Thema „Sustainable Land Use in the Context of Circular Economy“ tagte.
Severin Brochhagen präsentierte dort die gemeinsam mit Markus Schaffert erarbeiteten Forschungsergebnisse. Im Mittelpunkt steht die Zusammenführung bislang getrennter Datenquellen: Melderegisterdaten und Immobilienbewertungsdaten werden miteinander verknüpft und dadurch für räumliche Analysen nutzbar gemacht.
Am Beispiel des Landkreises Kaiserslautern entwickelten die Forschenden dafür eine räumliche Pipeline. Sie führt Metadaten aus Immobilientransaktionen mit Registerdaten auf Koordinatenebene zusammen. So lassen sich unter anderem die Alterung von Quartieren, Veränderungen der Familienstrukturen nach einem Immobilienverkauf und Migrationsbewegungen nachvollziehen. Dies erfolgt unter Berücksichtigung der datenschutzrechtlichen Richtlinien und der technisch, organisatorischen Vorgaben für Datenverarbeitung.
Von der Datenanalyse zur Planung
Der entscheidende Mehrwert liegt in der räumlichen Genauigkeit: Statt Veränderungen lediglich auf Ebene von Gemeinden oder statistischen Bezirken zu betrachten, können Entwicklungen innerhalb einzelner Quartiere sichtbar gemacht werden.
Die so gewonnenen Erkenntnisse schaffen eine empirische Grundlage für zukünftige Prognosen und Planungsprozesse – etwa für die Schulinfrastruktur, die Entwicklung von Wohnquartieren oder für kommunale „Digital Twins“. Ein ausführlicher wissenschaftlicher Artikel zu dem Thema ist derzeit in Vorbereitung.
Markus Schaffert wurde außerdem in das Board der EALD European Land Use Academy gewählt. Herzlichen Glückwunsch dazu!