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Papier als Baustoff der Zukunft

Neue Forschung zu nachhaltigen Lösungen für das Bauwesen

Wozu kann Papier noch dienen – außer zum Drucken, Schreiben und Verpacken? Mit dieser Frage beschäftigt sich seit dem 1. Oktober der neue Sonderforschungsbereich (SFB) „Funktionale Papiere“. Dabei erforschen Expertinnen und Experten aus mehreren namhaften Wissenschaftseinrichtungen, wie sich die Eigenschaften des vielseitigen Werkstoffs gezielt verändern und für neue Anwendungen nutzen lassen. 

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat den von der Technischen Universität Darmstadt koordinierten SFB bereits im Mai 2026 bewilligt. Auch die Hochschule Mainz ist mit einem eigenen Teilprojekt beteiligt. Unter der Leitung von Prof. Dr. Nadja Bishara untersucht das Projekt C04, wie sich Papier zu einer feuchteadaptiven Dampfbremse für den Einsatz im Bauwesen weiterentwickeln lässt. Die Förderung ist zunächst bis 2030 vorgesehen. 

Eine zentrale Herausforderung beim Bauen ist der Umgang mit Feuchtigkeit. Bauteile müssen unter unterschiedlichen klimatischen Bedingungen zuverlässig vor eindringender Feuchtigkeit geschützt werden und gleichzeitig die Möglichkeit bieten, Feuchtigkeit wieder abzugeben. Genau hier setzt das Teilprojekt von Prof. Dr. Nadja Bishara, Professorin für Nachhaltige Bausysteme und Gebäudesimulation am Fachbereich Technik der Hochschule Mainz an.

„Wir wollen die besonderen Eigenschaften von Papier gezielt nutzen, um eine leistungsfähige und zugleich recyclingfähige Alternative zu herkömmlichen, überwiegend kunststoffbasierten Dampfbremsen zu entwickeln“, erklärt Prof. Dr. Nadja Bishara. „Entscheidend ist dabei, dass sich das Material an unterschiedliche Feuchtebedingungen anpassen kann.“

Aktuell eingesetzte feuchtevariable Dampfbremsen bestehen nahezu ausschließlich aus mehrschichtigen Kunststoffprodukten. Ihre Materialien lassen sich nach der Nutzung nur eingeschränkt voneinander trennen und recyceln. Papier bietet hingegen aufgrund seiner guten Recyclingfähigkeit und seiner biobasierten Ausgangsstoffe interessante Voraussetzungen für eine nachhaltigere Lösung.

Das Vorhaben fügt sich unmittelbar in die strategische Ausrichtung der Hochschule Mainz ein. Mit seinem Fokus auf biobasierte Materialien, Ressourcenschonung und kreislauffähige Lösungen leistet das Teilprojekt einen konkreten Beitrag zu den Nachhaltigkeitszielen des Hochschulentwicklungsplans 2024–2028. Zugleich stärkt es mit der Verbindung von nachhaltigen Materialien, digitalen und technologischen Ansätzen sowie anwendungsorientierter Forschung einen der Schwerpunkte des Forschungsprofils der Hochschule und knüpft an die in der Forschungsstrategie verankerte strategische Entwicklung an. Die Beteiligung am SFB zeigt damit exemplarisch, wie die Hochschule ihre fachlichen Kompetenzen in interdisziplinären Forschungsverbünden einbringt und gemeinsam mit starken Partnern Lösungen für gesellschaftliche und technologische Herausforderungen entwickelt.

Der SFB „Funktionale Papiere“ wird von der TU Darmstadt koordiniert und vereint Forschende aus unterschiedlichen Fachgebieten und Institutionen. Beteiligt sind neben der TU Darmstadt und der Hochschule Mainz, die Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, die Universität des Saarlandes, die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg sowie das Institut für Fasern und Papier gGmbH Heidenau. Neben Anwendungen im Bauwesen stehen unter anderem papierbasierte Sensoren, leichte Materialien für Konstruktion und Bau sowie robotische Systeme im Fokus der Forschung.