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Zeitbasierte Medien

Event
07.06.2017
PÜCKLER UND LENNÉ IM PARK BABELSBERG
HintergrundinformationEntstanden ist der Park Babelsberg ab 1833 im Auftrag des Prinzen Wilhelm (später Kaiser Wilhelm I.) und seiner Gemahlin Augusta. Die Gestaltung des Parks ist gleich zwei bedeutenden Gartenkünstlern zu verdanken: Peter Joseph Lenné und Fürst Hermann von Pückler-Muskau. Der sparsame König Friedrich Wilhelm III. gab seinem zweitältesten Sohn, dem Prinzen Wilhelm, 1833 die Erlaubnis zur Anlage eines Gartens, und noch im selben Jahr erhielt Karl Friedrich Schinkel den Auftrag zur Planung eines Schlosses. Die finanziellen Mittel waren knapp, sodass der Gartenbaumeister Peter Joseph Lenné mit seiner Arbeit nur langsam vorankam. Ein heißer Sommer ließ seine Anpflanzungen zum großen Teil vertrocknen, da ein Bewässerungssystem fehlte. Hinzu kamen Konflikte zwischen ihm und Prinzessin Augusta, da beide verschiedene Vorstellungen vom zukünftigen Garten hatten. Die Folge war die Entlassung Lennés. Im Jahr 1843 erhielt Fürst Hermann von Pückler-Muskau den Auftrag zur weiteren Gestaltung. Er hatte sein Buch Andeutungen über Landschaftsgärtnerei veröffentlicht und war Augusta, die aus dem Haus Sachsen-Weimar stammt, bekannt. Am nördlichen Ende des Parks hielt durch den Bau des Dampfmaschinenhauses die technische Errungenschaft des 19. Jahrhunderts Einzug. Die Widrigkeiten der Wasserversorgung, mit denen Lenné zu kämpfen hatte, waren beseitigt und Fürst Pückler-Muskaus Gartengestaltung profitierte von der neuen Technik. Das von Lenné entworfene Wegesystem mit Sichtachsen in die Potsdamer Landschaft wurde von Pückler-Muskau beibehalten, jedoch durch ein Netz schmalerer Wege ergänzt. Die Böschung und Terrasse am Schloss vergrößerte er durch umlaufende Terrassen. Im von seinem Vorgänger begonnenen Pleasureground unterhalb des Schlosses entstanden geschwungene Spazierwege und die Beete erhielten Einrahmungen aus farbigen Keramiken.Graf Hermann von Pückler (1785–1871), seit 1817 mit der Tochter des Staatskanzlers Hardenberg vermählt, wurde 1822 in den erblichen Fürstenstand gehoben. 1811 hatte er die räumlich umfängliche „Standesherrschaft Muskau“ beiderseits der Lausitzer Neiße geerbt und bereits 1815 begonnen, die riesigen Ländereien zu arrondieren und landschaftsgärtnerisch auszuschmücken und begann hierfür bedeutende finanzielle Mittel zu investieren. Aufgrund Pücklers beständig angespannter Finanzlage hatte Hardenberg vor der Eheschließung seine Tochter enterbt. Der Landschaftsgarten von Bad Muskau wurde der größte Zentraleuropas und umfasst 830 Hektar Land. sein ästhetisches Lehrbuch wurde ein Standardwerk: "Andeutungen über Landschaftsgärtnerei". Durch seine Parkschöpfungen, insbesondere in Muskau und Branitz, zählt Hermann Fürst von Pückler-Muskau neben Peter Joseph Lenné und Friedrich Ludwig Sckell zu den bedeutendsten deutschen Gartenkünstlern des 19. Jahrhunderts. Neugier treibt ihn sein ganz Leben zu Reisen, die ihn die Enge seiner Heimat vergessen lassen, in der er kaum Gleichgesinnte findet. Sein exzentrischer Lebensstil erregt zwar Aufsehen - in Berlin lässt er vor seine Kutsche statt Pferden weiße Hirsche spannen - er verschafft ihm aber am Hofe keine Anerkennung. Seine ungezählten Liebschaften, die in Briefen publik werden, sind ein Skandal. Der Orient war in zeitgenössischen Darstellungen und Vorstellungen eine Welt der Stagnation, eine Welt ohne Veränderung. Pückler nimmt den Orient anders wahr. Er reist durch Tunesien und ist angetan von der Effektivität des Rechtssystems. In Ägypten bewundert er die Wirtschafts- und Verwaltungsreformen. Pückler verfällt zum einen der Exotik und der Opulenz des Orients, er ist zum anderen aber vorrangig doch ein Bildungsreisender, der im Orient das Licht findet, das ihm in der Dunkelheit der Heimat fehlt. «Gräber sind die Bergspitzen einer fernen neuen Welt.» Das optimistische Statement eines Menschen, der an die Wiedergeburt glaubt, der die religiösen Vorstellungen des alten Orients in sein Denken aufnahm und so ein wahrer Weltbürger war. Der dabei stets zwei Parteien angehörte: War er durch Geburt und Herkunft stets der Aristokrat, so wurde er durch Reisen, Beobachtungen und Reflexion ein liberaler Freigeist und Kosmopolit.   Eröffnung Mittwoch, 7. Juni 2017 um 13.00 Uhr in Anwesenheit des Präsidenten der Hochschule Mainz, Prof. Dr.-Ing. Gerhard Muth Ausstellungsdauer7. – 21. Juni 2017 / Mo-Fr 9-18 Uhr Hochschule Mainz Campus-MagistraleLucy-Hillebrand-Straße 255128 Mainz